22nd Sep, 2014

Vom Prokastinieren

Studenten sind faule Tunichtgute, die den ganzen Tag lang schlafen, trödeln und ständig nur wilde Partys feiern. Wer diesen Satz so unterschreiben kann, der mag im Bezug auf einige Exemplare unserer Gattung durchaus recht haben (ich müsste lügen, würde ich behaupten, solche Menschen nicht zu kennen), vergisst dabei aber die Konsequenz einer Erklärung, die viele Hochschulen einst in einer bekannten italienischen Hochschulstadt unterzeichneten. Die Bologna-Erklärung hat mir nicht nur falsche Erwartungen vermittelt, was es heißt, sich Bachelor nennen zu dürfen (nach meinem Abschluss wartete statt 22 willigen Frauen nur mein Masterstudium auf mich), sie hat auch dem altbekannten faulen Studentenleben nahezu den Garaus gemacht. Worte wie Präsenzstunden und Anwesenheitspflicht sorgen dafür, dass der Student von heute seine Hochschule auch mal von innen sehen muss, wenn er nicht in letzter Folge exmatrikuliert werden will. Prüfungen sind zu bestehen, und Hochschulen wie die meine nehmen dem Studenten sogar die Bürde ab, sich selbst für selbige eintragen zu müssen - zu bestreiten sind diese am Ende des jeweiligen Semesters, wie früher in der Schule. Und so sitze ich nun hier, mit meinem Exemplar des "Handbuch der Rechtspsychologie" und lese Dinge über Resilienz in der Entwicklung antisozialen Verhaltens, während eine kleine Essigfliege mir Gesellschaft leistet und fröhlich um meinen Kopf herumfliegt.

Bekanntlich ist in solchen Situationen ja so ziemlich alles andere auf der Welt spannender. Und so ist meine Wohnung gerade so sauber wie noch nie und ich habe diesen Blog wiederentdeckt, beschlossen, mehr zu schreiben, und mich von Wordpress als Blogsoftware zu verabschieden, weil ich jedes Mal, wenn ich denn was neues schreiben möchte, mit gefühlten hundert kritischen Updates konfrontiert werde, die unbedingt zuerst installiert werden wollen. Updates sind gut, weil sie zeigen, dass ein System weiterentwickelt wird, aber sehr nervig, wenn man sie alle zwei Wochen von Hand einspielen muss. Außerdem ist Wordpress über die Jahre zu einem riesigen Monster mit tausenden an Funktionen geworden, die zwar alle ziemlich spannend, aber für einen kleinen Blog wie dem meinen viel zu überdimensioniert sind. Und so habe ich mich auf die Suche nach einem neuen, kleineren System gemacht, Anchor gefunden, installiert, getestet und für gut befunden. Mein Design war binnen einer halben Stunde an das neue System angepasst und die alten Inhalte übernommen. Das Admin-Interface gefällt mir hier so gut, dass ich gar keine externe Software mehr zum Schreiben benutzen möchte. Außerdem hat es einen Anker als Logo, für mich, der ich nach vier Jahren Hamburg nun schon zu einem echten Seebär geworden bin, quasi perfekt.

Erwähnte ich, dass ich lernen muss?