19th Feb, 2015

Apple: Bitte fangt wieder an, kleinere iPhones zu bauen

Es gab mal eine Zeit, da konnte man mit dem Witz „Handys sind das Einzige, bei dem Männer sich streiten, wer das kleinere hat“ alle Lacher auf seine Seite ziehen. Okay, der Witz hatte schon zu seiner Zeit einen Bart, aber offenbar hat er die Menschheit doch auf ein unhaltbares Phänomen aufmerksam gemacht, welches es schnellstmöglich zu verändern galt. Und so können Männer heutzutage dank dem unermüdlichen technologischen Fortschritt endlich auch bei Handys wieder darüber streiten, wer denn nun das größere habe.

Ich habe diese Entwicklung lange Zeit nur am Rande mitbekommen, zumeist nur, wenn ich mich in der U-Bahn fahrend darüber wunderte, wer denn da mit einem Fernseher am Ohr so tat, als würde er telefonieren, und warum er das tat, bis ich merkte, dass der Fernseher kein Fernseher, sondern ein Smartphone war. In meiner heilen Apple-Welt war ich doch an eine gewisse Konstanz gewöhnt, nach der neue iPhones zwar stets neue Funktionen, aber nie größere Displays bekamen. Jaja, die gute alte Zeit.
Dann kam das iPhone 5 und das Werbeversprechen, der menschliche Daumen reiche genau bis in die linke, obere Ecke des Displays und deswegen sei exakt diese Displaygröße perfekt für jedermann. Ich kaufte es und stellte fest, ja, mein Daumen reicht genau bis in die linke, obere Ecke des Displays, aber nur, wenn ich das Handy etwas anders halte, als ich es bislang gewohnt war. Im Gegenzug dafür erhielt ich immerhin eine größere Anzeigefläche oberhalb der Tastatur, was mir beim Schreiben von SMS und Mails tatsächlich zu Gute kam. Kurz gesagt, das iPhone 5 und ich wurden Freunde und es leistete mir zwei Jahre lang treue Dienste.

Es folgte das iPhone 6, mit dem Apple offenbar sagen wollte, naja, in den zwei Jahren sei die durchschnittliche menschliche Hand zwar nicht gewachsen, aber dennoch habe man sich mit der Sache mit der idealen Displaygröße für jedermann vor zwei Jahren wohl etwas vertan. Das iPhone 6 hat jetzt endlich die wirklich ideale Displaygröße für jedermann, und wenn nicht, dann gibt es ja noch das iPhone 6 Plus mit einer noch idealeren Größe.

Das ist doch jetzt viel zu groß und unpraktisch, da kommt man ja gar nicht mehr an den oberen Displayrand heran, sagte ich und hatte einige Tage später ein iPhone 6 gekauft.

Das war vor etwa fünf Monaten, und ich kann meine Erfahrungen mit dem größeren Display in folgender Statistik zusammenfassen:

  • Situationen, in denen ich die neue Displaygröße als praktisch und toll empfand: 0
  • Situationen, in denen ich den oberen Bildschirmrand erreichen wollte, geflucht habe und ich mir den Formfaktor eines iPhone 5 oder gar eines iPhone 3Gs gewünscht habe: Ich habe nach Woche 1 zu zählen aufgehört

Ich könnte Punkt 2 noch weiter aufdröseln in Dinge wie:

  • Anzahl der Male, die mir das iPhone ins Gesicht gefallen ist bei dem Versuch, Abends auf dem Rücken liegend im Bett den Wecker zu stellen
  • Wahrscheinlichkeit, in Bälde eine Sehnenscheidenentzündung zu bekommen, ausgelöst durch kreative Versuche, doch irgendwie mit dem Daumen an den oberen Displaybereich zu kommen
  • Countdown bis zum ersten, langfristig unvermeidlichen Sturz des iPhones, ausgelöst durch kreative Versuche, doch irgendwie mit dem Daumen an den oberen Displaybereich zu kommen
  • Ausgestoßene Flüche beim Versuch, durch Doppeltipp auf den Homebutton die Displayanzeige nach unten zu schieben

Gerade der letzte Punkt verdient Aufmerksamkeit. „Reachability“ nennt Apple dieses Feature, bei dem man für Außenstehende den Eindruck erweckt, einen Tick zu haben, weil man immer wieder stoisch auf den Homebutton tippt. Damit fährt dann der gesamte Bildschirminhalt ein wenig nach unten, sodass auch Menschen ohne Riesenpranken die oberen Buttons des Systems erreichen können. Wäre das iPhone 6 eine Tür, Apple hätte die Klinke an den oberen Türrahmen gebaut, und Reachability wäre die Schnur, die vom Klinkengriff zum Ziehen herunterbaumelt.
Das Tippen klappt immer so zu 70%, und um den Spaßfaktor noch zu verstärken, fährt die Anzeige nach jeder getätigten Aktion wieder selbstständig nach oben, mal schneller und mal langsamer. Es ist ein bisschen so wie Whac-A-Mole, der Versuch, zwei Buttons im oberen Displaybereich direkt hintereinander zu treffen. Zumeist ist das iPhone schneller, die Anzeige fährt bereits wieder hoch und man tippt plötzlich ungewollt auf einen völlig anderen Button, meistens der, der die Exfreundin anruft, um 3 Uhr in der Nacht.

Natürlich könnte ich all den Problemen entgegenwirken, würde ich das iPhone 6 einfach immer mit zwei Händen bedienen. Ich könnte auch dem ständigen Ärger beim Socken zusammenlegen entgegenwirken (ich hasse Socken zusammenlegen), indem ich meine Socken einfach nicht mehr wasche. Manche Dinge sollte man einfach nicht ändern müssen.
Daher, und weil ich davon überzeugt bin, dass dieser Blog die tägliche Pflichtlektüre für einen jeden Apple-Mitarbeiter darstellt, stelle ich lieber folgende Bitte: Bitte, bitte, baut das nächste iPhone auch wieder in einer kleineren Version. Die großen Prügel dürfen gerne auch weiterhin ihre Abnehmer finden, solange ich nur wieder ein technisch identisches Smartphone in der Größe eines iPhone 5 kaufen kann. Ich will mich endlich wieder darum streiten können, wer das Kleinere hat.